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Vortrag mit Sebastian Haupt (CORRECTIV) „Was passiert, wenn Hass regiert?“
Main-Tauber-Kreis. Der Investigativjournalist Sebastian Haupt von Correctiv kommt zu zwei Terminen ins Taubertal, um über die Recherchen zum sogenannten „Potsdamer Treffen“ von Rechtsextremen im letzten Winter zu berichten. Am 19. Januar ist er um 19 Uhr in der Tauberphilharmonie in Weikersheim; am 20. Januar kann man ihn um 19 Uhr im Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Wertheim erleben.
Selten kommt es vor, dass ein journalistischer Artikel eine solche Resonanz hervorruft: Im Winter 2023 hatten Politikerinnen und Politiker, Unternehmerinnen und Unternehmer eine Villa nahe Potsdam besucht, um die millionenfache „Remigration“ von Menschen mit Migrationshintergrund zu besprechen. Correctiv, ein gemeinwohlorientiertes Medienhaus, berichtete Anfang 2024 über dieses Geheimtreffen. Die Folge: Hunderttausende Menschen gingen gegen diese ruchbar gewordenen, menschenverachtenden Pläne auf die Straße. In ganz Deutschland gab es Demonstrationen für Menschenrechte und Demokratie und gegen Rechtsextremismus – auch im Kreis, so etwa in Weikersheim, Creglingen, Bad Mergentheim, Wertheim und Tauberbischofsheim.
Die Recherchen von Correctiv waren aufwändig. Und sie waren wichtig. Viele Bürgerinnen und Bürger erfuhren zum ersten Mal, was unter rechtsextremen Protagonisten hinter verschlossenen Türen besprochen wurde. Alleine das Wort „Remigration“ löste einen Schock aus: Es war eine etwas technokratische Beschreibung für die Ausweisung und Vertreibung von Millionen von Menschen, die in den Augen rechter Populisten nicht zum „Volk“ gehören, weil sie in einem anderen Land geboren wurden oder eine andere Hautfarbe haben. Rassismus in Reinform.
Jene, die diesen Geheimplan in Potsdam entworfen haben, stammten aus dem Umfeld von AfD, Werteunion, Neonazi-Szene und Identitärer Bewegung. Inzwischen sind zwei Jahre vergangen. Und das Erschreckende: Der Begriff „Remigration“ wird von politischen Kräften der Rechten mittlerweile ganz selbstverständlich im Mund geführt; die AfD steht kurz davor, in mehreren Landtagen stärkste Kraft zu werden. Der Aufschrei der schweigenden Mehrheit ist verhallt. Rechtsextreme Positionen sind durch ständige Wiederholung weiter „normalisiert“ worden.
Sebastian Haupt vom Recherchenetzwerk Correctiv, der an der Aufdeckung des Potsdamer Treffens beteiligt war, berichtet in seinem Vortrag „Was passiert, wenn Hass regiert?“ über die damalige Recherche – und das, was seither passiert ist. So wurden erst vor wenigen Wochen Klagen von Teilnehmern des Treffens gegen Correctiv vom Landgericht Hamburg abgewiesen. Ein spannender Abend mit tiefen Einblicken in die Verbindungen der AfD zu Rechtsextremisten, aber auch in die immer wertvoller werdende Arbeit investigativen Journalismus. Letzteres ist für das Funktionieren von Demokratie essentiell.
Der Abend mit Sebastian Haupt findet am 19. Januar in der Tauberphilharmonie Weikersheim statt. Beginn ist um 19 Uhr; Karten im Vorverkauf gibt es bei der Buchhandlung Moritz und Lux in Bad Mergentheim oder an der Abendkasse.
Veranstalter ist jeweils das Netzwerk gegen Rechts Main-Tauber. Die beiden Abende sind der Auftakt einer Vortragsreihe unter dem Titel „Bunt. Demokratisch. Laut! Für Demokratie und gegen Rechtsextremismus“, die im Vorfeld der baden-württembergischen Landtagswahl an verschiedenen Orten stattfindet.